Tag 8: Laufen und Schafe
„Hast Du jetzt eigentlich Angst vor Autos?“, fragte eine Bekannte, nachdem sie von dem Unfall hörte. Nein, dachte ich. Und stellte dann fest, dass ich seit November die Strecke nicht mehr gelaufen oder gegangen war und zusammenzucke, wenn ein Auto sehr nah und spontan bremst.
Darum war es heute an der Zeit, zu erproben, wie frei ich in dieser Angelegenheit wirklich bin. Da die Route über erhebliche Steigungen und Gefälle verläuft, plante ich etwas mehr Zeit zum Gehen ein. Tatsächlich merkte ich irgendwann am Berg, dass ich mich nicht an meinen Plan hielt und versuchte, schneller und kraftvoller zu werden. Als Tendenz ganz gut, für das heutige Training noch zu früh.
Ich wählte Taylor Swift, Blank Space, 96 bmp, an, um einen Takt zu haben, der das Tempo drosselt.
Erneut kreuzte ein Tier das Training: ein ausgebüxtes, aufgeregtes Schaf. Meine Schülerhof-erfahrenen Kinder haben mir irgendwann einmal beigebracht: „Das Schaf einfach von hinten packen, dann kannst Du es steuern wie ein Auto und wieder über den Zaun schmeißen.“
Ich versuchte, dieser Anleitung zu folgen, aber das Schaf war offenbar nicht Schülerhof-sozialisiert. Erst rannte es weg. Dann trat es aus. Als ich es hatte, blökte es, und ich bekam ein schlechtes Gewissen, weil ich mich zu Lasten des Tieres so dilettantisch verhielt. Ich rief den Bauern an, der meinte, ich solle besser den Schäfer anrufen, aber der ging nicht dran. Noch während des Telefonats sprang das aufgeregte Schaf durch die Brennnesseln einen kleinen Hügel hinauf und von dort aus über den Zaun zurück auf die Wiese.
Später, zuhause, reklamierte ich bei den Kindern die Anleitung, die empört zurückwiesen, jemals gesagt zu haben, ich solle die Schafe „schmeißen“. Und natürlich würden sie austreten. Jetzt wüsste ich einmal, was sie alles durchmachen.
Nach dem Intermezzo mit dem Schaf, das die App natürlich als Laufpause registrierte , war die Passage des Unfallortes ein Leichtes. Mir fiel aber ein Gedanke ein, den ich im Herbst schon hatte: Ich trage kein reflektierendes Leibchen. Darum muss ich mich mal kümmern.
Das Grundlagentraining geht voran.

