Tag 9: Messen, Wiegen, Rücken
Heute, am Sonntag, war es wieder Zeit, Daten zu erheben. Das Gewicht hat sich nicht verändert, aber der Plan, Umfang vom Bauch auf die Beine zu verschieben, zeigt erste Ergebnisse. Das ist schon mal gut.
Auch den Vorsatz von vergangener Woche, nicht erneut die Strecke zum Bäcker zu laufen, sondern das Rad zu nehmen, habe ich umgesetzt. Ich dachte, es würde leicht, doch der Krafteinsatz beim Treten war für den geschädigten Quadrizeps noch zu hoch. Vielleicht lag es auch an der Position auf dem Rad; ich sitze darauf sehr aufrecht, wodurch auch die Knie recht weit hoch müssen. Zur Überprüfung dieser These verglich ich diese Position mit dem Sitz auf dem Rad der Ältesten, der etwas mehr Gewicht auf den Lenker verteilt und den Oberkörper stärker kippt – tatsächlich blieben die Knie tiefer und der Oberschenkelmuskel war schmerzfrei. Ich werde sie fragen, ob wir zu Trainingszwecken das Rad tauschen können.
Die Zipperlein endeten leider nicht mit dem Radfahren. Das Joggen gestern brachte mir einen unangenehm verspannten Lendenwirbelbereich ein. Falls Nina Wollmeyer dies liest, wird sie vermutlich wissend nicken, weil es in ihr Spezialgebiet fällt: verklebte Faszien. Die Ursachen können eine unzureichend trainierte Rumpfmuskulatur, Laufen im Hohlkreuz und Laufen über die Kraftreserven in Beinen und Hüfte hinaus sein. Ich entschied mich darum für eine gute Stunde Rückenyoga und war danach wieder schmerzfrei, aber auch ganz schön geschafft von den Kräftigungsübungen und dem Dehnen und Atmen in den Dehnschmerz hinein. Diese wiedererlangte Schmerzfreiheit im Rücken finde ich selbstverständlich – ich weiß aber, dass sie es nicht ist.
Ich denke, dass trotz der zeitlichen Nähe das Joggen gestern nur einen Anteil an der Verspannung hatte. Den zweiten steuert das permanente Sitzen bei. Morgen überprüfe ich diesen Gedanken, indem ich die Hüftmuskulatur, insbesondere den Hüftbeuger, bearbeite. Wenn sich der Zusammenhang zeigt, bedeutet dies, dass zusätzlich zum Olympia-Training mehr Bewegung und weniger Sitzen in den Alltag integriert werden müssen. Ich dachte, das würde mich nicht betreffen, weil man sagt, Sitzen sei das neue Rauchen, und ich habe nie geraucht. So habe ich zu meinen Gunsten die Analogie zur Logik gebogen.

